“Wie viele sind hinter Gittern, die wir draußen brauchen”

Die Webradio-Reihe “Wie viele sind hinter Gittern, die wir draußen brauchen” sendet in ihrer September-Ausgabe auch einen Beitrag über Max.

“Max befindet sich wegen angeblicher Graffitis bald seit einem Jahr im Knast. Seit nun bald einem Jahr ist Max in Untersuchungshaft, ihm wird eine Serie von Sachbeschädigungen vorgeworfen. Die Graffitis  die sich gegen Münchens immer stärker werdende Gentrifizierung, als auch gegen die beschissenen Mietpreise richteten sollen einen Schaden von mehreren 100.000€ fabriziert haben. Max war zum Zeitpunkt seiner Festnahme obdachlos, diese Obdachlosigkeit von der auch viele andere Münchner*innen betroffen sind, gibt der Staatsgewalt die Legitimation Max im Knast München-Stadelheim festzuhalten. Einen Prozesstermin gibt es immer noch nicht.”

 

Zu empfangen am Dienstag, den 4. September, 18-19 Uhr per Livestream über: www.radioflora.de
Die Sendung wird wiederholt am Donnerstag, den 6. September 11 -12 Uhr.

http://political-prisoners.net/item/6358-wie-viele-sind-hinter-gittern-die-wir-draussen-brauchenq-ausgabe-september-2018.html

Brief aus dem Knast

Max hat einen Brief aus dem Knast geschrieben, der dieses mal nicht “beschlagnahmt [wurde] oder […] verschollen gegangen” ist.

Diesen Brief wollen wir euch nicht vorenthalten:

Hi, an Alle die das lesen!

Vorab vielen Dank an alle, die mir geschrieben, an mich gedacht oder mich besucht haben. Ihr seid einer der Hauptgründe warum meine aktuelle Situation mich nicht verzweifeln lässt, sondern es mir den Umständen entsprechend gut geht. Es muntert einen sehr auf, wenn Post und Anteilnahme kommt.

Leider konnte ich viele Briefe und Karten nicht lesen oder beantworten, da über 100 Stück von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurden. Doch auch die Beschlagnahmungs-Mitteilung jedes einzelnen Briefes hat mich immer aufgemuntert, denn ich wusste, dass jemand an mich gedacht hatte. Darüber hinaus wurden auch viele meiner Briefe beschlagnahmt oder sind verschollen gegangen, die ich an Mitgefangene (in das Baskenland,in die Niederlande,an Kurd*innen) oder Bekannte geschrieben habe.

Vielleicht habt ihr schon durch Mundpropaganda erfahren wie mein Alltag im Knast aussieht. Trotzdem werde ich meinen Alltag für alle Anderen schildern (Achtung…ein bisschen trocken):

Um 6:00 Uhr wird die Zellenklappe aufgesperrt und man wird durch Rufe/Taschenlampe geweckt. Dienstags, Donnerstags und Samstag wird zwischen 8:30 und 8:40 Uhr die Zellen-Türe aufgesperrt und man hat 1,5 Stunden Zeit sich zu duschen und die Zelle zu putzen. Um 10:30 Uhr ist an der Zellentür Essensausgabe und anschließend wird die Zelle bis zum Hofgang (12:15-13:15 Uhr) verschlossen.

Nach dem Hofgang ist Einschluss bis zum Abendessen ( 14:00 Uhr/ Frühstück ist im Abendessen integriert). Danach ist wieder Einschluss bis zum nächsten Morgen.

Nur per Antrag kann man Mittwochs den Stationsarzt besuchen. Medikamente werden nicht ausgehändigt, sondern müssen im Büro der Station eingenommen werden. Auch bei Personen, die z.B drei mal täglich Medikamente zu sich nehmen müssen.

Montags und Mittwochs dürfen Personen ohne Trennungsbeschluss für eine Stunde zum Sport. Dienstags und Samstags ist Wäschetausch ( 10:00-10:30 Uhr/ genau abgezählt).

Aber jetzt genug von meinen aktuellen Lebensumständen, denn ich will in diesen Brief auch ein kleines Bisschen von den aufmunternden und solidarischen Worten zurück geben.

Ein guter Bekannter von mir sagte,dass nach den Wahlergebnissen der CSU bei der Bundestagswahl, das halbe Jahr vor der Bayrischen Landtagswahl richtig schlimm wird. Aber das was wir die letzten Wochen erlebt haben, übertrifft meine schlimmsten Erwartungen.

Eigentlich wäre es ziemlich lustig mit anzusehen, wie die CSU auf Grund schlechter Umfragewerte für die Landtagswahl, aus purer Angst hohl dreht und dabei sich selbst ins eigene Fleisch schneidet. Wenn sie aber dabei nicht nur die Stimmung gegen Geflüchtete anheizt und darüber hinaus zudem auch noch aktiv Menschenleben in Lybien, der Türkei, auf dem Balkan und im Mittelmeer gefährden würde.

Trotz oder gerade wegen dieser zum Haare raufenden Umstände hoffe ich, dass ihr nicht verzweifelt, sondern weiter macht!

Denn weder der NSU Komplex, rassistische Übergriffe noch hirnrissige Aktionen Aktionen der CSU ( PAG, Polizei Kavallerie, Ankerzentren usw.) und eine wachsende AfD dürfen unkommentiert und kritiklos stehen gelassen werden!

Wie heißt es noch so gleich in einem bekannten Song? „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, sondern es wäre deine schuld, wenn sie so bleibt.“

Daher gebt die Hoffnung nicht auf, denn das was auf dem Spiel steht, ist unsere Zukunft!

Hoffende und solidarische Grüße aus dem Knast an Alle die das lesen!

-04.07.2018

Nach 6 Monaten: Anklageschrift gegen Max

Nachdem unser Freund und Genosse Max mittlerweile 6 Monate in Untersuchungshaft sitzt, hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben. Vielleicht war sie sich selbst nicht sicher, ob Graffitis ausreichend, um die lange Haft zu rechtfertigen. Es wurden daher zwei neue absurde Vorwürfe hinzugefügt.

Für uns ist klar: Hier wird nicht Max angeklagt, sondern die linke Bewegung. Max sitzt nicht wegen ein paar Graffitis in Haft, sondern wegen seiner Gesinnung. Dutzende Briefe an ihn und von ihm wurden unter absurden Begründungen beschlagnahmt, ihm wird willkürlich verweigert in der Untersuchungshaft zu arbeiten, obwohl das den Tag etwas weniger monoton gestalten würde und der Verfassungsschutz schreibt in seinem Bericht für 2017 schon, dass er schuldig sei, obwohl noch kein Urteil gefallen ist.

Für Steuerhinterzieher hält der Bundesgerichtshof noch bis zu einem Steuerschaden von 1.000.000 Euro eine Bewährung für möglich. Die Staatsanwaltschaft fordert bereits jetzt eine Strafe, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden soll, obwohl der Schaden in seinem Fall viel niedriger ist und er sich nicht persönlich bereichern wollte.

Das Alles zeigt, dass wir die Anklage gegen Max im Zusammenhang mit dem Angriff auf die linke Bewegung sehen müssen, der derzeit voran geht: Strafrechtsverschärfungen, Polizeiaufgabengesetz, absurde Urteile gegen G20 Gegner. Es geht hier nicht um Schuld oder Unschuld, sondern darum, einen schlag gegen die linke Bewegung zu führen.

Freiheit für Max – Kampf der Klassenjustiz

Besuch von Max im Dezember

Durch einen Besuch bei Max haben wir erfahren unter welchen Umständen er zurzeit dort lebt:

Um 6:30 Uhr wird das grelle Licht in den Gefängniszellen angeschaltet und die Gefangenen damit aufgeweckt. Frühstück gibt es keins, dafür aber bereits um 10:30 Uhr Mittagessen. Abendessen gibt es dann bereits um 14 Uhr. Um 22 Uhr wird das Licht in den Zellen wieder abgeschaltet, ob man dann schon ins Bett gehen möchte oder nicht spielt keine Rolle.

Max ist derzeit von allen Sport –und Freizeitmöglichkeiten ausgeschlossen, da ihm eine Kontaktsperre auferlegt wurde. So bleibt ihm nur eine Stunde Hofgang am Tag.

Zweimal in der Woche muss er innerhalb von zwei Stunden seine Zelle putzen und sich duschen. Das klingt anfangs vielleicht zeitlich machbar aber wenn man bedenkt, dass alle Gefangenen das zeitgleich erledigen sollen, bleiben jedem nur wenige Minuten unter der Dusche übrig.

Arztbesuche sind nur montags und mittwochs möglich. Max zog sich jedoch bei seiner Inhaftierung, die an einem Mittwoch Abend passierte, eine Mandelentzündung zu und musste somit bis Montag warten bis er zu einem Arzt durfte. Also 4 Tage ohne Medikamente.

Auch Verfahren aus Max ‘s Vergangenheit, die eigentlich bereits eingestellt wurden, werden wieder aufgerollt. Z.B eines, als Max vor drei Jahren einen Pfosten mit dem Auto umgefahren haben soll.

Außerdem hat er bis auf zwei Postkarten noch keine Post erhalten, obwohl viele Menschen ihm geschrieben haben. Die Staatsanwaltschaft begründet das nur sehr fadenscheinig.

FREE MAX !